AUF SOMMERTOUR

23. August 2016
Wassermanagement in Brandenburg ist Frage der gesellschaftlichen Solidarität

Peter Trömel ist der „Deichgraf“ von Bad Freienwalde. Heute Pensionär, hat er viele Jahre in der Kurstadt die Außenstelle des Landesumweltamtes geleitet. Sein Name ist untrennbar mit dem Deich, den Gräben und der Alten Oder verbunden. Wassermanagement im Oderbruch war nicht nur sein Beruf, sondern ist seine Leidenschaft – bis heute. Im Rahmen der
Sommertour besuchten Bettina Fortunato und Marco Büchel den Experten zu Haus und sprachen mit ihm über die beabsichtige Neuregelung des Brandenburger Wassergesetzes. Das soll noch in diesem Jahr vom Landtag verabschiedet werden. Viele im Gesetzentwurf benannten Probleme und Lösungsvorschläge finden seine Zustimmung, insbesondere die Frage der Schöpfwerke. Hier seien Regelungen und Verantwortlichkeiten klar festgelegt. Peter Trömel vermisst im Entwurf jedoch den Gewässerbeirat. MOL ist der einzige Landkreis mit einem solchen Gremium. Über Jahre habe er sich bewährt. Seine Nichterwähnung im neuen Text bedeute de facto, dass er künftig im rechtsfreien Raum arbeitet und seine Entscheidungen nicht mehr bindend seien. Lobende Worte fand Trömel für die Rolle des Wassermanagements. Das sei ein gutes Instrument, um im Oderbruch und im Sinne der Allgemeinheit, das wasserwirtschaftliche Regime zu regeln. Die Frage der gegenseitigen Solidarität zwischen den Bewohnern auf der Höhe und im Bruch muss als Grundsatz des Lebens erhalten bleiben. Aus Sicht des Experten sei jeder von jedem abhängig und das dürfe nicht vom Tisch gewischt werden.
Abschließend meinte Peter Trömel, ihm fehle am beabsichtigten neuen Wassergesetz der durchgehende Gedanke, dass zumindest im Oderbruch die Menschen MIT dem Wasser leben müssten. Zum Bsp. die simple Tatsache, dass Häuser im Oderbruch eben nicht mit Keller gebaut werden sollten. Nach dem Hochwasser von 1997 sei dieser Gedanke mal kurz aufgeflammt, habe sich aber nicht durchgesetzt. Wenn man im Oderbruch das Prinzip „Leben mit dem Wasser“ verwirklichen will, sei es unumgänglich, die Organisation des Hochwasserschutzes am Leben zu erhalten. Seinen Beobachtungen zufolge werde dies gegenwärtig etwas vernachlässigt.


19. August 2016
Traditionelle Landwirtschaft – Grundlage unseres Lebens

„Voll lecker und die Idee ist cool“ – so lautet der jüngste Eintrag im Kundenbuch der Milchtankstelle Steinbeck. Die  liegt ein paar Kilometer südlich von Bad Freienwalde und ist eine echte Rarität. Im gesamten Land Brandenburg sind solche Tankstellen an einer Hand abzählbar. Vor knapp einem halben Jahr von der Agrargenossenschaft „Höhe“ eG eröffnet, wird sie mittlerweile sehr gut angenommen. Frischer geht Milch kaum – klingt wie ein Werbespruch, ist aber wahr! Davon konnten sich Bettina Fortunato und Marco Büchel selbst überzeugen. Die modernen Automaten verraten jedoch nichts von den Problemen, mit denen die Landwirte der Genossenschaft zu kämpfen haben.  Regina Helbig und Nicole Winkelmann vom Vorstand zählten eine ganze Liste auf: Ausufernde Bürokratie in landeseigenen Betrieben, klimatisch bedingte Ernteausfälle, nur schleppende regionale Vermarktung der Produkte. Und dann die Sache mit der Milch ihrer weit über 500 Kühe:  Um zumindest kostendeckend zu produzieren müsste die Molkerei sie für 32 Cent/Liter aufkaufen. Der aktuelle Aufkaufpreis liegt weit darunter!  Auch das mit viel Medienaufwand verkündete „Milchpaket“ der Bundespolitik funktioniere nicht, weil es die Bedingungen, unter denen Landwirte produzieren  nicht berücksichtige. Eine Viehherde ist keine Industriehalle, in der einfach mal Maschinen auf- und abgebaut werden können. Trotzdem will die Agrargenossenschaft „Höhe“ an ihrer mit viel Leidenschaft betriebenen konventionellen Landwirtschaft und dem Dreiklang von „Boden- Pflanze – Tier“ festhalten.

16. August 2016
Ferienzeit in Naturerlebnisstätte bei Lebus

Den ersten Besuch ihrer diesjährigen Sommertour machten Bettina Fortunato und Marco Büchel in der „Europäischen Naturerlebnisstätte“ auf den Oderbergen bei Lebus. In der herrlichen Umgebung kurz vor den Toren Frankfurts verbringen in dieser Woche Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsunterkünften in Voßberg und Bad Freienwalde einige Tage organisierter Ferienfreizeit. Die Mädchen und Jungen konfrontierten beide Landtagsabgeordnete auch sofort mit der wichtigsten Frage des Vormittags: Was soll ich auf mein nagelneues weißes T-Shirt malen – eine Giraffe oder doch lieber Rücknummer und Name der Weltfußballer Neymar bzw. Messi? Zwei Stunden später war die Farbe längst getrocknet und siehe da, die Jugendlichen hatten sich ganz traditionell entschieden….
Jens Lawrenz - er leitet im Auftrag der Kindervereinigung Seelow e.V. die Naturerlebnisstätte – berichtete, dass schon in wenigen Tagen die Ferienfreizeitangebote zu Ende gehen. Insgesamt gab es in diesem Jahr fünf Durchgänge, die sehr gut angenommen wurden. Ab dem Wochenende ist dann das traditionelle Künstler- Pleinair auf den Lebuser Oderbergen zu Gast, bei dem sehr viele polnische Künstler dabei sein werden.
Seit genau zwei Jahren betreibt die Kindervereinigung Seelow die „Europäische Naturerlebnisstätte“ Lebus und rettete so die in der Region einmalige Einrichtung vor weiterem Verfall. Stück für Stück werden die über viele Jahre längst fälligen Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten jetzt erledigt. Auch außerhalb der Ferien herrscht in der Erlebnisstätte reger Betrieb: Das Team um Jens Lawrenz organisiert nicht nur Naturwanderungen in die nähere und weitere Umgebung, sondern bietet auch Familienworkshops unterschiedlicher Thematik sowie spezielle Wandertage für Schulen Ostbrandenburgs an. Häufig sind auch deutsch-polnische Jugendgruppen zu Gast. Außerdem realisiert es Projekte mit verschiedenen Jugendhilfeträgern.